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Ama Dablam (6856m)
3.
November 1999
Der sensationelle 1. Paragleiter-Flug vom Gipfel des schönsten Berges der
Erde
Die Ama Dablam ist ein heiliger Berg
der Sherpa, er darf erst seit wenigen Jahren bestiegen werden und gilt unter
vielen Bergsteigern als der schönste Berg der Erde! Übersetzt aus der Sprache
der Sherpa bedeutet Ama Dablam „Mutters Schatzkiste“. Dieser überwältigende
Berg steht direkt gegenüber dem Mt. Everest inmitten einer einzigartigen
Bergkulisse.
Seinen Gipfel
kann man nur über kombiniertes Gelände im bis zu 60° steilen Eis und über
Fels-Kletterpassagen bis zum V Schwierigkeitsgrad erreichen, und das in Höhen
zwischen 5000 und fast 7000 Meter über dem Meer. Nur wenigen „Extremen“ der
ganzen Welt ist es bisher gelungen, diesen schwierigen Berg zu ersteigen!
Die
Voraussetzungen
Voraussetzung ist neben dem
entsprechenden klettertechnischen Können auch das Wetterglück. Die Schnee- und
Eisverhältnisse am Berg sowie auch die Temperaturen und Windverhältnisse in der
Gipfelregion dieses markanten Eis- und Feldturmes haben schon so manchen
Gipfelwunsch vereitelt! Um so schwieriger verständlich ist es, wenn da ein
Extremist kommt und plant vom Gipfel dieses Berges mit einem Paragleiter zu
starten um dann herunter zu fliegen!
Anreise/Akklimatisation
Meine Expedition begann am 24.Oktober
1999, wo ich mit einer Twin-Otter von Kathmandu nach Lukla flog. Um mich möglichst
rasch an die Höhenlage anzupassen, ging ich noch am selben Tag bis Namche,
einer bekannten Handelssiedlung auf einer Seehöhe von 3400m. Nach einem Rasttag
ging es dann über Dole (Nacht) weiter nach Gokyo, wo ich noch am Abend den
beliebten Aussichtberg Gokyo Ri (5160m) bestieg. Ein herrlicher Sonnenuntergang
mit Sicht auf einige 8000 Meter Berge belohnen mich ausgiebig. Am nächsten Tag
wanderte ich bis nach Pangpoche am Fuße der Ama Dablam. Ich hoffte, die
Teilnehmer einer Schweizer Expedition zu treffen, mit welchen ich die
kostenintensive Gipfelgenehmigung zur Ama Dablam teilen konnte.
Auf zum Basislager
Nach einem Rasttag konnte ich die
Gruppe begrüßen und am nächsten Tag wurde schon das Basislager auf einer Höhe
von 4600m bezogen. Ein herrlicher Lagerplatz auf schönen Almwiesen direkt an
der Südwestflanke des Berges gelegen. Leider war von vorhergegangenen
Schneefällen etwa ein halber Meter Schnee auf den Wiesen, sodaß wir zuerst
einen Zeltplatz frei schaufeln mußten.

Highcamp 1
Nachdem das Wetter laufend stabil war und ein herrlich blauer Himmel zum
Gipfel trieb, wurde bereits am nächsten Tag zum Lager 1 auf eine Seehöhe von
5700 m das Zelt- und Biwak Material hinauf getragen. Um von der anderen
Expeditionsteilnehmern unabhängig zu sein, hatte ich mir eine eigene
Hochlagerausrüstung mitgebracht und hinauf getragen. Neben der notwendigen
Biwak- und Kletterausrüstung mußte ich auch noch meine spezielle Paragleiter -
Flugausrüstung mitschleppen. So lastete mein Rucksack mit zusätzlichem Gewicht
auf meinem Rücken. Abends wieder im Basislager konnten wir nach einem gutem
Abendessen rasch einschlafen.
Rasttag
Am nächsten Tag konnte der über Nacht
unergiebig gefallene Schnee rasch schmelzen, denn die verläßliche Sonne
spendete dafür genügend Wärme. Nach langem Hin und Her hatte ich mich
entschlossen, die üblichen Hochlager 2 und 3 wegzulassen und wollte versuchen,
direkt vom Lager 1 zum Gipfel zu gelangen. So kann ich doch das langwierige,
beschwerliche Einrichten der weiteren Hochlager sparen, muß dafür jedoch die
längere Aufstiegszeit in Kauf nehmen.
Am späten Vormittag freute ich mich
meinen Freund Gerhard Pilz (Rodelweltmeister aus B.Goisern) begrüßen zu können,
welcher nach einer 14-tägigen Trekkingrunde um den Dhaulagiri eintraf. Leider
konnte Markus, unser dritter im Bunde, welcher auch zur Expedition kommen
wollte, aus beruflichen Gründen nicht länger in Nepal bleiben.
Ich schilderte Gerhard gleich, daß
ich das Lager 1 bereits fertig einrichten konnte, und daß ich bereits morgen zu
einem Gipfelversuch lostarten wollte. Er war gleich damit einverstanden und
wollte mitkommen.
Auf zum Gipfel
Am folgenden Tag brachen wir gegen 9
Uhr mit wiederum schweren Rucksäcken auf. Nach etwa 5 Stunden Gehzeit
erreichten wir unser Zelt und begannen gleich mit den notwendigenVorbereitungen für den Gipfelanstieg. Dann wurde ordentlich gekocht, gegessen
und als die Sonne unterging verkrochen wir uns gleich im warmen Schlafsack. Die
tiefen Temperaturen auf dieser Höhe ließen gleich am Innenzelt Eiskristalle
entstehen, bei jeder Bewegung wurden wir daran erinnert. . .
Um 2 Uhr
morgens wollten wir aufbrechen. Bis wir dann aber abmarschbereit waren, war es
dann schon fast halb drei Uhr. Die ganze Nacht über konnten wir ein bedrohendes
Wetterleuchten beobachten, es wird sich doch hoffentlich das Wetter nicht
ändern! Es waren die Gewitter jedoch nicht in unserer Nähe, so daß wir
entschieden trotzdem aufzusteigen. Im Licht unserer Stirnlampen stiegen wir dem
Grat entlang, bis wir die ersten Sicherungsseile antrafen. Leider fühlte sich
Gerhard an diesem Tag nicht besonders wohl und musste daher bald umdrehen. So
blieb mir nur die Möglichkeit alleine weiter zu klettern. Das Wetterleuchten
schreckte mich des öfteren auf und ließ mich kritisch beobachten, ob sich nicht
doch eine Front nähert? Nach etwa 3 Stunden waren die schwierigen Felspassagen
hinter mir und ich mußte die Steigeisen anziehen. Eine steile Eisrinne führte
mich wieder direkt auf den sehr ausgesetzten Südwestgrat wo mich bald die
aufgehende Sonne empfing. Ein schon sehr überwältigendes Gefühl, unten im Tal
noch Dunst und Ruhe und ich hier heroben im Eis von der Sonne begrüßt! Bei
einer kurze Rast mit Tee und ein paar kleine Bisse vom Power-Riegel konnte ich
diese Stimmung genießen (eigentlich musste ich den hartgefrorenen Riegel
lutschen). Doch die beißende Kälte ließ mich bald wieder weiter steigen. Bald
konnte ich schon die Zelte vom Lager 3 sehen.
Highcamp
3
Als ich mich diesem näherte, konnte
ich sehen, daß von dort 4 Bergsteiger anstiegen. Eine steile Eisflanke mit
beinahe blankem Eis zieht nun vor uns rauf bis zum oberen Hängegletscher. Nach
etwa einer Stunde konnte ich diese einholen. Endlich hatte nun das Eisrieseln
ein Ende, denn laufend kamen durch sie ausgelöst Eiskristalle und kleinere Eisbrocken
auf mich herunter, welche mir ins Gesicht und auf den Kopf prasselten. Eine
Irische Gruppe sowie ein Franzose mit jeweils einem Sherpa-Guide hatte ich kurz
begrüßt und bald hinter mir gelassen. Nun war ich bald in der letzten Eiswand
direkt unter dem Gipfel, welche kein Ende nehmen wollte . . . Nur mehr 2-300 m
trennen mich vom Gipfel und ich fühle leichten Aufwind! Euphorisch versuche ich
mein Tempo weiter halten zu können, denn wenn der Wind so bleibt, sollte ich
schon starten können, wenn nur oben das Gelände dies erlaubt. So viel ich auch
durch das Fernrohr die Gipfelregion absuchte und mit Bergsteigern redete, ich
konnte nur hoffen, daß doch ausreichend Platz vorhanden ist um mit einem
Paragleiter Starten zu können!
Der Gipfel
Die dünne Luft und das kräftezehrende
Klettern auf den Frontzacken der Steigeisen ließen mich die letzten Meter
unendlich erscheinen, doch um 10,15 Uhr erreichte ich den Gipfel!
Eine herrliche Aussicht rundherum,
soweit das Auge reicht! Beinahe alle Achttausender sind zu sehen, gleich
gegenüber der Mt.Everest, Lotse, Makalu usw.! Gleich schön wie die Aussicht
geben sich die Windverhältnisse, sowie das Gelände direkt am Gipfel. Bei dieser
Windrichtung und –stärke (~10 km/h) sollte mein geplanter Paragleiter-Start
tatsächlich möglich werden?!!
Nach etwa 20 Minuten erreichen auch
die anderen Bergsteiger den Gipfel. Wir umarmen, beglückwünschen und erfreuen
uns gemeinsam am Gipfelerfolg. Doch bald schon drängen die Sherpa-Guids zum
Abstieg.
Der
Start
Dies bedeutet auch für mich, daß ich
nun starten muß, um ein paar Startbilder bekommen zu können! Mit dem Funkgerät
gebe ich im Basislager den bevorstehende Start bekannt, denn man wollte mich
dabei auch filmen. In wenigen Minuten bin ich startbereit, der Schirm füllt
sich sanft und mit wenigen Schritten hebe ich ab. Welch ein Gefühl . . . . Erst
jetzt kann ich den Vorteil meines zusätzlichen Gewichtes im Rucksack richtig
schätzen! Die doch sehr starken Windgeräusche zeugen von der geringen
Luftdichte in dieser extremen Höhe. Ein Gleitschirm fliegt in dieser extremen
Höhe nur mehr mit einer erhöhten Fluggeschwindigkeit, welche beim Start durch
ein schnelleres laufen, bzw. durch Gegenwind erreicht werden muß. Schnell will
ich ein
paar Fotos machen, doch der Prototyp
meines besonders leicht gebauten Para-Schirmes fliegt nicht so spurtreu und
ruhig wie ich das von anderen Geräten gewohnt bin, schnell ergreife ich wieder
die Steuerleinen und so gleite ich ruhig dem sicheren Basislager entgegen.
Die
Landung
Nach einer Flugzeit von 25 Minuten
lande ich weich und komfortabel, gleich neben meinem Zelt im Basislager.
Stürmisch werde ich empfangen, man gratuliert und beglückwünscht mich, fast
kann ich es selbst noch nicht glauben, es ist mir tatsächlich geglückt !!!!!
Ein tolles Erlebnis, ja eine Sensation nicht nur für mich!
Nachdem mein Hochlagerzelt samt
Ausrüstung nun immer noch oben am Berg stand, konnte ich dieses einer anderen
Bergsteiger-Gruppe aus Österreich anbieten/leihen.
So war der Abtransport meiner Ausrüstung auch organisiert und ich konnte es mir
im Basislager bequem machen, Bücher lesen und die Sonne genießen!
Abmarsch
Später beim Abstieg zurück nach Lukla
hörte ich in den Siedlungen von vielen Bergsteigern, Trekkern und Einheimischen
wie mein überwältigender Paragleiter-Flug in der gesamten Region „Solo-Kumbu“,
der Heimat der Sherpa beobachtet und bewundert wurde!
Zurück
nach Österreich
Durch meinen überraschend schnellen
Erfolg konnte ich bereits nach 19 Tagen wieder in München landen und freute
mich auf ein Wiedersehen mit meiner Familie!

Harti Gföllner aus Gmunden
im Salzkammergut. Ich bin geprüfter Berg- und Skiführer sowie Diplomsportlehrer
und Betreiber der Drachen-u.Para- Flugschule Salzkammergut in Weyregg am
Attersee. Ich war bereits österr. Staats- u. Landesmeister im Drachenfliegen und
bin seit 1985 Inhaber mehrerer nationaler Drachenflug-Rekorde.
Harti Gföllner
Die spezielle Flugausrüstung:
Gleitschirm:
Nova Bergsteiger-Prototyp HX23-25
Gurtzeug:
"Scorched
Earth"
von ThinRedLine
ohne Airbag,
Rettungsgerät u. Helm
Drachen- und Para-
Flugschule Salzkammergut
Weyregg am Attersee,
Alexenau;
Office: A-4810 Gmunden, Flachbergweg 46.
Tel/Fax: (0043) 07612 73033
Mobil: 0664 1116099
e-mail:
flugschule@paragleiten.net
home:
http://www.paragleiten.net
Text
in english version (translated from ThinRedLine)
Harti Gföllner of
Austria makes first ever paraglider flight from 22,493 ft Himalayan Summit,
Ama Dablam on November 3, 1999
22,493
ft Ama Dablam, Everest neighbor and Holy Mountain of the Sherpas, widely
considered one of the most beautiful mountains in the world, was successfully
flown for the first time, directly from the summit, by Austrian Harti
Gföllner, on November 3 '99.
His
feat is a highlight in the increasingly popular sport of
"paralpinism" which seeks to combine paragliding and mountain
travel (whether climbing, skiing or hiking) in a single outing. The advent of
new lightweight, high performance gear supports this adventurous trend: Harti
flew with a prototype NOVA HX 22-25 paraglider combined with a THIN RED LINE
Scorched Earth harness system which was also used as climbing harness on the
ascent. His complete paragliding kit weighed 9.7 lbs - exactly the same weight
as one pair of Nordica Ski Touring boots (with socks)!
Base
Camp was established at 15,100 ft and Camp 1 at 18,700 ft. After a last night
enjoying the relative comforts, (and oxygen!) back down at Base camp, Harti
began his climb with partner Gerhard Pilz, reaching Camp 1 in 5 hours. The
temperature plunged with the setting sun turning the moisture of the
climbers' breath to thousands of glittering ice crystals inside their tiny
tent. Throughout the night they fearfully watched the flashes of distant
lightning; not seeming to come closer, the two friends decided to risk
setting out from their tent at 2:30 am. Worried about a turn in the weather
and travelling with the barest of necessities, they aimed to go all-out for
the summit giving up the security of establishing Camps 2 and 3.
Climbing
the ridge above camp by the light of their headlamps, Gerhard began feeling
ill and turned back, leaving Harti to continue in darkness with the added
burden of solitude. The lightning continued but magically kept its distance.
After three hours surmounting difficult cliff bands, Harti fastened his
crampons to his boots to claw his way up a gully of ice leading to the
exposed crest of the mountain's southwest ridge. Here the rising sun became
his companion for a well-deserved rest and a couple of nibbles from a
PowerBar. However, the biting cold quickly forced him on his way again.
Passing an Irish and
French Team, Harti battled his way up the last technical obstacle below the
summit ridge, a face of hard ice continuously shedding a dangerous
bombardment of ice chips. Less than a thousand feet now separated him from
the summit - and the breeze was still light, and coming the right direction.
Unbelievable, considering the jet-stream force winds which normally rake
these highest of peaks! Harti euphorically reached the summit at 10:15 am,
after 8 hours of continuous climbing from his high camp, alone, at high
altitude. Not wanting to lose the perfect conditions, Harti laid out his wing
and was ready to launch in minutes. Six miles blowing straight up, a few
steps, and instantly, truly BIG air! After 25 unbelievable minutes he landed
softly, right next to his tent in Base Camp, just in time for lunch and tea!
Congratulations Harti!
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