! Neuer Weltrekord: Paragleiter-Tandemstart vom Gipfel eines 7134 Meter hohen Berges !
Paragleiter-Expedition zum
Pisang
Peak
(6092m)
Tilicho
Peak
(7134m)
Himalya/Nepal, Herbst 2000
Die harte Saisonzeit in unserer Flugschule ließ uns nicht
gerade viele gemeinsame Touren und Erlebnisse unternehmen. So entstand die Idee
zusammen eine „größere“ Bergtour zu machen. Natürlich wollten wir dabei auch
versuchen einen Paragleiter einzusetzen . . . Hatte doch Martina in den Frühlings- und Sommermonaten den Vorzug und
Erlebniswert vom Tandemfliegen bei so manchem gemeinsamen Flug kennen und
schätzen gelernt!
Schnell konnte sie mich dazu überreden, das Angebot
meiner Agentur aus Kathmandu anzunehmen! Wir
schlossen uns einer französischen Gruppe an, welche sich vorgenommen hatte
diese beiden Berge zu besteigen. Gemeinsam wollten wir das in Nepal
vorgeschriebene Permit zur Besteigung dieser Berge
nutzen, um so die anfallenden Gesamtkosten auf ein Minimum zu reduzieren. Es
war gar nicht so einfach so kurzfristig Flüge nach Nepal zu bekommen. Wir
konnten auch noch die Firma Nova dazu überreden, uns einen speziellen, sehr
leichten Tandemschirm zu bauen. Die Firma ThinRedLine aus Kanada baute dafür ganz leichte Tragegurte. In der kurzen Zeit schafften es
beide Firmen nur sehr knapp alles fertig zu stellen und zuzusenden. Erst einen
Tag vor der Abreise erhielten wir die Ausrüstung, so dass wir diese gar nicht
mehr testen konnten!
Am 17.Oktober war es dann so weit.
Nur etwas umständlich konnten wir über Zürich und Delhi, die Hauptstadt von
Nepal, Kathmandu erreichen! Zwei Tage standen uns
hier zur Verfügung um alle notwendigen Erledigungen hinter uns zu bringen!
Abfahrt von Kathmandu
Am 21. Okt. konnte es dann losgehen. Wir fuhren mit einem
Bus zusammen mit der französischen Gruppe nach BesiShar,
dem Ausgangspunkt unserer Trekkingtour, welche uns zu unseren Bergen führen
sollte.
Nach einer ersten Nacht im Zelt ging es dann zu Fuß
weiter. Der Weg folgt einem engen Tal, immer wieder die Flußseite über Hängebrücken wechselnd flussaufwärts. Die ersten Tage war das Wetter nicht
allzu freundlich, der bedeckte Himmel musste sogar manchmal etwas
„weinen“.
Absturz
einer Mulis
Am 3 Tag
unseres Marsches passierte dann das Unglück. Ein Muli (Tragetier) rutschte am engen
Weg ab und stürzte samt unserer Expeditionsausrüstung im steilen Gelände in den
reißenden Fluß. Das steile Gelände und der reißende Fluß machten jegliche Versuche dem armen Tier zu helfen
sowie unsere Ausrüstung zu bergen unmöglich! Beides, der Muli und seine für uns
so wichtige und wertvolle Last, wurden ein Opfer des
Flusses!
Beim nächsten Lagerplatz stellten wir fest, dass gerade 2
unserer Gepäcksstücke verloren gegangen waren. Es fehlte uns somit sehr
wichtige Expeditionsausrüstung. Ohne der speziell warmen Schuhe, der
Kletterausrüstung, Kocher etc. waren wir total aufgeschmissen. Völlig entmutigt
standen wir vor unserem übrig gebliebenen Gepäck. Sollte nun schon unsere Tour
zu Ende sein?! Mußten es gerade unsere Gepäcksstücke
sein?
Doch wir hatten Glück im Unglück!
Über eine sogar funktionierende Telefonverbindung konnten wir unsere Agentur in Kathmandu anrufen und mit meinen Freund Markus Raich aus Bad Aussee sprechen, welcher gerade von einer Trekkingtour aus dem SoloKumbu zurück kam. Markus kaufte für uns alle fehlenden Ausrüstungs-Gegenstände und
diese wurden von unserer sehr verlässlichen Agentur, nachgebracht!
Am 26.Okt. erreichten wir den Ort Pisang welcher auf einer Höhe von 3190m liegt. Hier erreicht uns der Träger mit
unserer Ersatzausrüstung. Wie es zu erwarten war, passten uns die Schuhe nicht
exakt. Doch jetzt blieb uns keine Wahl, entweder wir versuchen es damit oder
bleiben herunten im Tal.
Basislager PisangPeak
Am nächsten Tag war der Anstieg zum Basislager des 6091m
hohen PisangPeak geplant.
Trotz Verkühlung und mangelhafter Ausrüstung konnten wir das Basislager auf
einer Höhe von 4100m ganz gut erreichen. Hier konnte ich bei gutem Aufwind
endlich einmal die mitgebrachte Flugausrüstung testen. Ich montierte die
speziellen ThinRedLine-Gurte und überprüfte das
Fluggerät mit einem kurzen Flug. Die schönen Almwiesen eigneten sich dafür
bestens. Am nächsten Tag ging es weiter aufwärts zu einem Hochlager, welches
wir auf einem recht schmalen Grat in einer Höhe von 5150m errichteten. Hier
fühlten wir die Höhe schon ganz kräftig, alle Bewegungen waren anstrengend und
alles ging nur langsam. Bald verkrochen wir uns im warmen Schlafsack, denn es
wurde ohne der Sonne gleich empfindlich kalt! Die
Nacht war kalt und windig. Um 5 Uhr packten wir nach einem kurzen Frühstück
unsere Hochlagerausrüstung zusammen und machten uns fertig zum Aufstieg. Sollte
uns tatsächlich dort oben ein Start gelingen, würden uns die Träger das Zelt abbauen und die Ausrüstung hinunter tragen. Ich war
nicht sehr optimistisch dass uns ein Flug gelingen könnte, denn die ganze Nacht
über war es hier im Lager sehr windig.
Auf zum Gipfel
Durch die
zeitraubende Packerei konnten wir erst um 6 Uhr weg gehen. Nur drei der
insgesamt 9 Franzosen waren schon etwa eine Stunde vor uns zusammen mit den
Hochträgern aufgebrochen. Am Weg kam uns nach einer Stunde Gehzeit einer der
Franzosen wieder entgegen, er hatte sich wegen starker Kopfschmerzen
entschieden wieder abzusteigen. Wie wir in der Morgendämmerung feststellen
konnten, waren unsere zwei Hochträger Nawanchu und AngSherki Sherpa zusammen mit Denyse und Jean-Michel vor uns unterwegs. Wir hatten beste Verhältnisse. Der Schnee
war hart gefroren und wir kamen gut auf
wärts! Das
bis zu 40 Grad steile Gelände zwang uns zu Vorsicht. Dank alter Fixseile konnten
wir in den steileren Passagen sichern. Nach etwa vier Stunden erreichten wir
gleichzeitig mit den anderen den Gipfel. Eine herrliche Aussicht entschädigte
uns für die mühevollen Stunden des Aufstiegs. Drei Achttausender in unmittelbarer
Nähe, Annapurna 1, Manaslu und Dhaulagiri.
Doch eines passte überhaupt nicht. Schon während des gesamten
Aufstiegs machte mir der Wind große Sorgen! Hier heroben am Gipfel wehte der
Wind kräftig, böig und noch dazu von der falschen Richtung. Sollten wir die
Flugausrüstung umsonst herauf geschleppt haben?
Die Sherpa und die Franzosen drängten wieder zum Abstieg.
Doch Martina und ich wollten noch etwas abwarten. Wir dachten, vielleicht
ändert sich der Wind doch noch! Alle möglichen Hänge wurden geprüft und
tatsächlich legte sich der Wind zusehends!
Gleiten statt Absteigen
Als ich am
Ostgipfel sogar Aufwind feststellen konnte rief ich Martina zu mir und wir
bereiteten schnell alles zum Start vor. Doch als wir dann startfertig waren, war´s auch schon wieder vorbei mit dem Aufwind. Es stellte
sich wieder Seitenwind ein und wir mussten 3 Startversuche, einmal sehr knapp
vor einer steilen Felswand abbrechen! Um nichts mehr zu riskieren, packte ich
den Schirm enttäuscht wieder ein und wir machten uns wieder zu Fuß auf den Weg
nach unten. Aufmerksam beobachteten wir laufend Wind und Ge-
lände. Kurz nach dem steilen Eisfeld passten dann die
Verhältnisse
bestens. Schnell war der Schirm wieder vorbereitet und es gelang uns ein problemloser
Start auf einer Höhe von 5600m! Unser Plan war es gleich die zwei nächsten Tagesetappen
im Flug zurück zu legen. Mit dieser Höhe sollte es leicht möglich sein Talaufwärts
den Ort Hongde mit seinen Weideflächen zu erreichen.
Doch auf halber Strecke bemerken wir immer stärkeren Gegenwind, sodaß wir uns
bald dazu entscheiden mussten, umzudrehen.
So können wir am Rückflug über unserem Basislager ein
paar Kurven drehen, den Franzosen zurufen und bald darauf in Pisang gut landen. Wegen des starken Talwindes konnten wir nach einer sanften Landung den Schirm nicht gleich zu Boden bringen
und dieser zog uns dabei etwas unsanft über trockene, sehr staubige Felder.
Tatsächlich war es uns gelungen eine Höhendifferenz von ca.2500m herunter zu
fliegen! Gleich waren viele Kinder und Bauern um uns versammelt und bestaunten
die beiden „welche aus der Luft kamen“! Etwas müde aber überglücklich gingen
wir zur nächsten Lodge und konnten den Komfort bestens
genießen! Nach einer warmen Dusche konnten wir gepflegt in einem Restaurant
essen, während die Anderen unserer Gruppe im Basislager eine weitere Nacht im
Zelt verbringen durften!
Rasttag in Manang
Der folgende Tag war für uns eine leichte Wanderung im
Tal. In Manang warteten wir auf die Gruppe der
Franzosen die mit unseren Trägern und unserer Ausrüstung vom PisangPeak Basislager bis hierher einen langen Weg
zurücklegen mussten.
Nach einem Rasttag führte unser Weg links in ein
Seitental in Richtung Tilicho Peak!
Über lange Seitenmoränen führt uns der Weg an warmen Hängen entlang. Nach einer
weiteren Zeltnacht ging es weiter in Richtung Südwesten. Die sehr günstig zur
Sonne ausgerichteten Hänge produzieren gute Aufwinde und laufend konnte ich
verschiedene Vögel beobachten, wie sie im Aufwind kreisend große Höhen
erreichten.
Der große Thermikflug, 2.Nov.
Während dem Gehen entlang dieser thermikspendenden Hänge
baute sich bei mir immer mehr der Wunsch auf, es den Vögeln gleich zu tun. Doch
zu zweit sah ich mit dem kleinen Tandemschirm keine reelle Möglichkeit die
Aufwinde zu nutzen und Höhe machen zu können. Meine Gedanken blitzen hin und
her, wie soll ich Martina klar machen, dass ich es aus Vernunft besser nur
alleine probieren möchte?
Kurz entschlossen warteten wir auf die uns nachfolgende
Maultierkolonne mit der Flugausrüstung. Gleich neben dem Weg legte ich auf
einer Höhe von 4200m den Schirm aus und nach wenigen Minuten war ich auch schon
im Aufwind! Die Thermik hob mich auf eine sagenhafte Höhe von 5830m! Zurück
blieb meine schon etwas enttäuschte Martina, welche mir nur sehnsüchtig
nachsehen konnte.
Sollte ich den gegenüberliegenden TilichoPeak in der Thermik bezwingen können?! Von dieser irren Höhe konnte ich weit in das
Land hineinsehen. Ich beobachtete Herden von wild lebenden Blue Ships auf weiten Almflächen sowie Adler, welche sich im
Flug zu mir gesellten! Nach
2 Stunden
Flugdauer landete ich mit eiskalten Fingern gleich neben dem Weg auf einer Passhöhe
(5200m) wo ich meine Flugausrüstung hinter einem Felsen versteckte. Ich machte
mich gleich auf den Weg zurück um wieder zu Martina zu gelangen. Unsere Station
für die nächste Nacht hatte ich weit überflogen und ich musste zum Lager auf
4300m wieder absteigen. Einen solchen Flug zu beobachten mag ja ganz schön
sein, doch selber mitzufliegen währe unvergleichlich schöner gewesen, Martina
konnte meine Freude über diesen herrlichen Flug kaum teilen . . .
Auf zum TilichoPeak Basislager
Herrliche Wiesenhänge ansteigend waren wir nach 3 Stunden
wieder oben am Paß, wo ich am Vortag meine
Flugausrüstung liegen gelassen hatte. Wie einfach und mühelos konnte ich doch
gestern diese Strecke zurücklegen . . ! Nach wenigen
Minuten erreichten wir den wunderschönen türkisgrünen Tilicho Lake. Der höchste See der Erde liegt auf 5000m und ist von einer herrlichen
Kulisse umgeben. Gletscher brechen vom TilichoPeak direkt in den See ab und auf der anderen Seite breiten sich sanfte Almwiesen
aus, ein idealer Platz für das Basislager! Leider versperrt uns hier eine nur
100m breite senkrechte Felswand den Weg am Ufer entlang hinüber zum richtigen
Lagerplatz. So müssen wir wegen dieser kurzen Strecke am nächsten Tag einen
Berg über einen Paß hinweg umrunden, was uns einen
Umweg von 4 Stunden beschert!
Als wir nun den Berg so vor uns sehen, können wir
eigentlich keine logische Route zum Gipfel finden. Wir gehen in Richtung Westen
um auch in die Nordflanke einsehen zu können. Mit dem Fernglas kann ich nun
alte Spuren sowie Seile von einer vorhergehenden Expedition entdecken und wir
müssen erkennen, dass die Besteigung dieses Berges technisch nicht einfach
werden wird! Zudem sehen wir, daß der größte Teil der Route meist im Schatten
liegt, was gleichzeitig bedeutet, daß diese es auch sehr kalt sein wird!
Auf zum Hochlager, 6.Nov.
Nach einem Rasttag entschließen wir unser Material zum
ersten Hochlager hinauf zu tragen und dabei die Route zu besichtigen. Sollte es
aber gut voran gehen, dann wollten Martina und ich es gleich versuchen weiter
bis zum Lager zwei aufzusteigen und am nächsten Tag wäre dann der Gipfel geplant!
Ob wir das jedoch mit all unserer Ausrüstung schaffen werden, war mehr als
fraglich! Neben der Hochlagerausrüstung wie Zelt, Schlafsack, Kocher, Lebensmittel,
Seil, Eisgeräte, warmer Kleidung etc., wollten wir ja auch noch unseren Tandem-Paragleiter mitnehmen! Nur mit der Hilfe unseres
Sherpas Nawangchu schafften wir es, tatsächlich alles notwendige gleich auf einmal bis ins Lager zwei auf
eine Höhe von 6200m hinauf zu schleppen.
Die
grandiose Aussicht hier heroben entlohnte uns für den mühevollen Aufstieg.
Gleich gegenüber auf der anderen Talseite steht der mächtige Dhaulagiri mit seinen 8156m Höhe.
Gegen Norden kann man von hier bereits in die Hochebene von Tibet sehen und
direkt am Fuße unseres Berges der türkisgrüne Tilicho Lake, welcher wie in einem Märchen still unter uns lag und sich darin umliegende
Berge spiegelten!
An einem Tag in dieser Höhe gleich 1200m höher zu steigen
und das mit sehr schwerem Gepäck, machte uns ganz schön zu schaffen! Dazu kam auch
noch die
Kälte, denn die
letzen 3 Stunden mussten wir bereits im Schatten klettern! So rasch als möglich
schaufelten wir im Schnee einen ebenen Zeltplatz frei und errichteten unser
Zelt. Schnell verkrochen wir uns im wärmenden Schlafsack! Der Kocher wurde
gestartet und bald schlürften wir warmen Tee und ein schmackhafter Eintopf
wurde angefertigt. Wir ließen uns das Essen gut schmecken und versuchten dann
ein paar Stunden zu schlafen.
Auf zum Gipfel des Tilicho Peaks, 7.Nov.
Die beißende Kälte von –35°C machte es nicht angenehm,
sich im kleinen Zelt für den Abmarsch vorzubereiten. Um 4 Uhr machten wir uns
noch Tee und dann ging es los in die Nacht. Wir hatten Vollmond erwartet, doch
dieser war bereits untergegangen und wir mussten im kargen Licht unserer
Stirnlampe aufwärts steigen. Einigen Gletscherspalten ausweichend erreichten
wir bald eine kurze Steileispassage. Nur langsam konnten wir an Höhe gewinnen,
der Rucksack drückte kräftig auf die Schultern und die beißende Kälte ließ bei
uns bald das Gefühl in Fingern und Zehen verschwinden.
Als endlich der Morgen dämmerte und die Sicht zum Gipfel
frei wurde, hatten wir noch weit mehr als die Hälfte des Aufstiegs vor uns.
Leider war fast die gesamte Aufstiegsroute auf der Nordseite des Berges gelegen,
es war wirklich sehr kalt! Immer wieder blickte ich besorgt auf die Uhr und
musste feststellen, dass wir den Gipfel erst später als gedacht erreichen
werden. Der bekannte Talwind wird im Kali Gandaki Tal, dem tiefsten Tal der Welt, ab etwa 10 Uhr so
stark, dass sogar die mittelkleinen Flächenflugzeuge den Flugbetrieb nach Jomson einstellen. Sollten wir oben am Gipfel Startverhältnisse
vorfinden, dann würde das späte Landen unten im Tal ein echtes Problem
darstellen. Ein schnelleres Vorankommen war aber nicht möglich und so stiegen
wir langsam weiter in Richtung Gipfel. Gott sei Dank war es während des
gesamten Aufstieges nicht sehr windig und ich schöpfte immer mehr Hoffnung,
dass oben am Gipfel die Windverhältnisse einen Paragleiter-Tandemstart zulassen könnten! Erst die letzten 300 Metern konnten wir wärmende Sonnenstrahlen
genießen und um etwa 12 Uhr erreichten wir den eisigen Gipfel mit seiner Höhe
von 7134m.
Am Gipfel
Eine herrliche Rundsicht sowie günstige Wind- und
Geländeverhältnisse belohnten unseren mühevollen Aufstieg. Gleich wenige Meter gegenüber leuchtet die eisige Nordwand des Annapurna I herüber, auf der anderen Talseite der mächtige Dhaulagiri und dazwischen das tiefe
Kali Gandaki Tal, in welches wir hinunter fliegen wollen! Der wolkenlose
Himmel und die grandiose Rundsicht bis in das Hochland von Tibet hätte eingeladen, länger zu verweilen, doch der inzwischen sicher
schon recht starke Talwind trieb uns zur Eile. Der
Schirm war schnell ausgepackt und alles für den bevorstehenden Start vorbereitet.
Der Start
Das Segel liegt startbereit hinter uns, mit nur zwei
Schritten ist der Schirm über uns und hebt unsere Steigeisen aus dem harten
Schnee. Der kräftige Aufwind am Hang er
laubt uns
sogar zu soaren (auf gleicher Höhe am Gipfel einige
Mal hin und her zu fliegen), bis wir dann in Richtung Jomson abdrehen. Im Flug sehen wir zurück in Richtung Gipfel, zum Hoch- und Basislager.
Der Tilicho Lake leuchtet türkis herauf und wir
können erst jetzt sehen, welch lange Strecke wir im Flug nach Jomson überwinden können!
Bald können wir die Rollbahn des Airports von Jomson ausmachen und steuern luvseitig darauf zu. Sollen
wir am Flughafen landen? Ich dachte diese 700m lange, hindernisfreie Fläche,
würde sich gut eignen. Kommt uns auch kein Flugzeug in die Quere? Baufahrzeuge
auf der Landepiste beruhigen mich und während wir immer tiefer in das Talbecken sinken, stellten wir noch lange keinen Talwind fest. Erst in den letzten 600m über dem Talboden begann schön langsam
die
Rückwärtsfahrt! Immer stärker werdend bemerkten wir bald, dass der Wind hier so
stark bläst, dass wir gegen den Wind keine Vorwärtsfahrt mehr machen konnten!
Im Gegenteil, die Rückwärtsfahrt wurde immer heftiger und bald musste ich
erkennen, dass wir die Landepiste nicht mehr erreichen können. Schnell suchten
wir hinter uns geeignete Ausweichlandeflächen. Bald aber müssen wir erneut eine
andere Ausweichlandefläche auf der anderen Flußseite suchen. Der Wind hatte eine geschätzte Geschwindigkeit von 70 km/h erreicht und
es ging mit uns derartig stark retour, dass uns keine andere Wahl blieb! Die abgeernteten
Felder ostseitig vom Fluß waren nun unser endgültiges
Ziel.
Die Landung
Einer Stromleitung mussten wir noch ausweichen, dann ließ
Martina die Steigeisen fallen, welche wir im Flug von unseren Schuhen
abmontierten und
wir setzten sanft auf. Der starke Wind zog uns nun jedoch schlagartig rückwärts
über die Felder. Es war nicht leicht den Schirm zu Boden zu bringen. Nach einer
äußerst ungemütlichen Schlepppartie von etwa 100m war nun auch dieses Abenteuer
vorbei! Ich hatte mir dabei die Schulter ausgehängt, voll Staub und Erde lagen
wir am Boden und trennten uns schnell vom Fluggerät.
Martina hängte mir die Schulter wieder ein und bald
umringten uns neugierige Bauern und bestaunten rätselnd unsere Ausrüstung.
Kinder brachten uns die abgeworfenen Steigeisen wieder. Auch wir konnten es
fast nicht glauben, was soeben vollendet war.
Ein neuer Weltrekord?
Der bisher höchste Paragleiter-Tandemstart und -Flug vom Gipfel eines Berges in dieser Höhe war uns gelungen! Sicher war
auch die Landung bei diesem starken Wind ein Weltrekord . . ! Wir hatten uns einen schwierigen, mühevollen, mindestens 4 Tage langen
Abstieg erspart! Vor nur 55 Minuten waren wir noch mehr als 4300m höher, am
Gipfel des Tilicho Peaks!
Jetzt aber konnten wir unsere warme Kleidung ausziehen,
den Schirm notdürftig in den Rucksack stopfen und ein gutes Hotel im Ort
suchen. Die Leute musterten uns auffällig, als sie uns in dieser Montur am Weg
gehen sahen.
Das konnte noch kein Bergsteiger so erleben. Eine warme
Dusche kurz nach solch einem Gipfelerlebnis. Ein prächtiges Menü mit Steak und
Bier rundete den Gipfelerfolg gebührend ab.
Gerne verraten wir
es weiter, eine ganz optimale Kombination: Bergsteigen und anschließend
Runterfliegen! Das ergibt ein Bergerlebnis in höchster Vollendung!
Die Heimreise
Mit den anderen Expeditionsteilnehmern hatten wir
vereinbart, wenn sie uns fliegen sehen, dürfen sie unser Hochlager samt
Ausrüstung verwenden. Als Gegenleistung mussten sie aber alles mit herunter
tragen. So war beiden geholfen!
Zwei Tage später flogen wir mit der Royal Nepal Airline
von Jomson nach
Phokara.
Dort und in Kathmandu konnten wir den Luxus und die
warmen Temperaturen genießen, machten ganz einfach noch etwas Urlaub. Dann ging
die Heimriese weiter, über Delhi und Zürich nach Hörsching!
Das
Team - Pilot u. Passagier:
Harti und Martina Gföllner
(Bauer)
Betreiber der
Flugschule Salzkammergut
Weyregg am Attersee, St.Gilgen,
Altaussee
Office: Flachbergweg 46, A-4810 Gmunden
Österreich / Austria
Tel/Fax: (+43) 07612 73033
Mobil: (+43) 0664 1116099
e-Mail: flugschule@paragleiten.net
home: www.paragleiten.net
Flugausrüstung:
Paragleiter
X-Large 31
Spezialanfertigung in Leichtbauweise ausgestattet mit speziellen
Tandem-Tragegurten der Firma Thin-Red-Line.
2 Leichtgurtzeuge der Fa.
Vapor & Scorched Earth)
ohne Airbag, Rettungsschirm und Helm.
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